Meister M

Ich finde das mit dem Berufensein trivial. Ich bin einfach hier. Ich tue das, was ich bin, doch das, was ich bin, war nie aktiv. Mit einer Berufung nimmt man sich selbst wichtig und spaltet sich von den Menschen ab, die nicht berufen sind – also, nein danke. Je klarer ein Mensch der Einfachheit seines Hierseins gewahr wird, desto klarer sieht er, was er nicht ist. Daraus entsteht der Raum für das, was er tun soll. Was der Mensch in seinem Leben tun kann, gestaltet sich von selbst, wenn Vertrauen und Zuversicht in seinem Herz erblühen. Viele Menschen haben über all dem esoterischen Plunder, mit dem sie sich beschäftigen, dieses einfache Vertrauen verloren. Sie absolvieren jahrelange Ausbildungen, die zu Einbildungen führen, und sie fragen mich, ob ich dieses oder jenes kenne. Nein, das alles kenne ich nicht, und ich kann dazu auch nicht sagen, ob ich es gut oder nicht gut finde. Soll ich womöglich auch noch sagen, ich sei besser als dieser oder jener? Diese Kinderspiele interessieren mich wahrhaft nicht. Weil ich abwesend bin, bin ich anwesend, das ist alles, was ich dazu sagen kann.

Meister M  Mario Mantese
Fenster ins Zeitlose
Interview von Martin Frischknecht