Leseprobe aus „L(i)ebe dich, und nicht die Gründe dagegen“

EINLEITUNG

„Ein-Schnitt“ stellt alles Geglaubte infrage.

„Ich gehe keinen Kompromiss mehr ein, hinter dem ich nicht stehe“, ist der erste Satz, mit dem ich an diesem Morgen im Krankenhaus erwache. Noch ahne ich nicht, wie weitreichend das Geschehene der vergangenen Nacht wirklich ist.

Der Tag beginnt mit der normalen hektischen Routine netter Schwestern, denen die Zeit stets davonzurennen scheint. Während sie mein Bett mit perfekt aufeinanderfolgenden Griffen richten, erkundigen sie sich pflichtbewusst nach meinem Nachtschlaf. Mir ist diese Prozedur sehr unangenehm, denn ich fühle mich gesund und kann meine verordnete Bettruhe und meinen lebensbedrohlichen Zustand nicht begreifen. Und schon gar nicht kann ich erklären oder beschreiben, wie meine Nacht war. „Kurz“, antworte ich und schiebe es auf den Jetlag, was für alle nachvollziehbar ist.

Es ist noch nicht einmal vierundzwanzig Stunden her, als Andreas, mein Mann, und ich in Bremen landeten, nach unserer größten gemeinsamen Reise auf die andere Seite der Welt. Diese vierwöchige Kreuzfahrt durch den Panamakanal schenkten wir uns anlässlich unserer Silberhochzeit. Unsere fünf Kinder sind nun in einem Alter, in dem solche Entfernung und Selbstversorgung über einen längeren Zeitraum gut zu organisieren sind.

Das gestrige Wiedersehen mit Antonia und Lukas, unseren beiden jüngsten noch zu Hause wohnenden Kindern, bestand aus nicht enden wollenden Erzählungen von Eindrücken und Geschehnissen. Mitbringsel wurden ausgepackt verknüpft mit Gefühlen und Erläuterungen aus einer vollkommen anderen Welt.

Berge von Wäsche fanden ihren Weg in die Waschmaschine, es galt den Kühlschrank wieder zu füllen, Fragen zu beantworten – ich war erholt und voller Tatendrang nach einer erstmals so langen Abwesenheit von meinem Kleinunternehmen Familie.

Lukas und Antonia hatten alles wunderbar gemanagt, unser Vertrauen, ihre Selbstständigkeit und Freiheit zu nutzen gewusst, waren nun aber auch froh die damit verbundene Verantwortung wieder in unsere Hände übergeben zu können.

Und nun liege ich braun gebrannt und körperlich unversehrt ans Bett gefesselt, beide Beine stramm gewickelt, am linken Arm eine Infusion, die mein Blut verdünnt, damit die massive Lungenembolie mich nicht aus dem Leben reißt. Ich habe dank der Medikamente keine Schmerzen mehr, die durch eine Rippenfellentzündung entstanden und meinen Gang zum Notdienst diktierten.

Mir schwirren so viele Gedanken durch den Kopf, ich kann es noch nicht realisieren, dass die in Acapulco beginnenden Schmerzen ein liebevolles Alarmzeichen waren. Für den vor über zwei Wochen beginnenden Nachtschweiß und die zunehmend schwere Atmung hatte ich die hohe Luftfeuchtigkeit und schwüle Hitze verantwortlich gemacht – es ging vermutlich allen Reisenden so. Ich maß diesen Symptomen keine große Bedeutung bei. Unmittelbar vor dem Flug quälte mich ein Hustenreiz, der einen stechenden Schmerz in der rechten Lungenspitze auslöste. Andreas hatte als Arzt an alles gedacht und so nahm ich sofort vor dem Abflug ein Antibiotikum. Ich fühlte mich fiebrig und diagnostizierte eine im schlimmsten Fall beginnende Lungenentzündung, die mithilfe eines Antibiotikums sicherlich bald behoben sein würde.

An eine Lungenembolie dachte ich nicht einmal, als ich vor einigen Stunden zur Kontrastmitteluntersuchung in der Röntgenröhre lag. Mich störte diese ganze Diagnostik, ich hatte Wichtigeres zu tun, als einen unmöglichen Verdacht abzuklären. Bei keiner Schwangerschaft hatte ich je Venenprobleme, geschweige denn eine Thrombose. Mit meiner Körpergröße von nicht einmal eins sechzig saß ich nicht abgeklemmt im Flugzeug, ich habe kein Übergewicht und bin sportlich gut durchtrainiert – es konnte nicht sein.

Das Gesicht der jungen diensthabenden Radiologin macht mir sofort den Ernst der Lage deutlich und ein Blick in das entsetzte, besorgte Gesicht meines Mannes bekräftigt, dass es hier wohl nichts mehr zu Spaßen gibt. Die Untersuchung bestätigt nicht nur den Verdacht, sie zeigt auch unmissverständlich das Ausmaß.

Ich kämpfe mit den Tränen, es ist doch alles nicht wahr, warum ist das jetzt so, wie ist denn nun alles Weitere zu regeln? Als Mutter hatte ich für die Zeit unserer Reise alles minutiös organisiert, aber das hier hatte ich nicht einkalkuliert.

Hier liegend und auf mein Frühstück wartend, drehe ich meinen Kopf in Richtung Fenster, damit meine Bettnachbarin meine Ratlosigkeit und Fassungslosigkeit nicht sieht.

Ich beschließe meine Eltern anzurufen und melde mich von der langen Reise zurück. So behutsam es nur irgendwie geht, teile ich ihnen meine Situation mit. Sie behalten die Fassung und versichern mir, dass sie für mich beten. Ich weiß, dass ihr starker Glaube an Gott ihnen die Kraft gibt, jede Situation anzunehmen. Dies bewiesen sie in einem besonders hohen Maße, als sie vor zwei Jahren meinen Bruder beim Sterben begleiteten.

Ich sollte klingeln, wenn ich irgendetwas bemerke. „Was sollte ich denn genau merken?“, fragte ich Andreas gestern, bevor er das Krankenhaus mit sehr ernstem traurigen Blick verließ. Ich hatte doch noch nie eine Embolie. „Was merkt man denn da?“, fragte ich verzweifelt. „Alles, alles, was irgendwie anders ist als sonst“, war seine Antwort.

Letzte Nacht war ich zweimal über „die Schwelle“ getreten, für einen kurzen Augenblick – ich hatte eine Nahtoderfahrung – ich weiß es und gleichzeitig begreife ich es nicht, bekomme es schwer in Zusammenhang mit mir, die ich hier liege. Ich kann nicht einmal meine Verzweiflung sortieren, alles in mir ist schier außer Kontrolle geraten.

Mein Mann und ich sprachen in seiner Unfallchirurgiezeit öfter darüber, was Überlebende nach schweren Unfällen berichteten. Ich kann dies jetzt bestätigen und doch ist da großer Zweifel in mir. Vielleicht habe ich dies geträumt und gleichzeitig weiß ich, dass es kein Traum war. Vielleicht habe ich diese Gedanken nur als Erfahrung wahrgenommen, weil ich mich schon immer mit dem Leben nach dem Tod auseinandersetzte.

Stimmt es tatsächlich, was meine Eltern, Kirche und Religion von Himmel und Hölle glauben? Ist in der letzten Nacht vor lauter Panik mein Verstand mit mir durchgegangen?

Und während sich diese Fragen in mir formulieren, weiß ich ganz genau, dass dies nicht meine Fragen sind, sondern die Fragen all derer sein werden, denen ich davon erzählen werde. Ich weiß nun erstmals, wie sich Gewissheit anfühlt, denn noch nie habe ich so etwas Klares, Reines und Unwiderlegbares erfahren. Ganz egal, wie andere auf mein Erlebnis reagieren sollten, es ist unantastbare Wirklichkeit. Und nun? Wie um alles in der Welt geht es denn jetzt für mich weiter? Was mache ich denn nun mit diesem inneren Chaos?

Ich beschließe mich abzulenken, bloß nicht fallen lassen, jetzt gilt es, einfach weiterzumachen.

Ich schreibe all meinen Freundinnen eine SMS und melde mich von der Reise zurück. Ich füge hinzu, dass ich mit einer Embolie im Krankenhaus liege, es aber nicht so dramatisch sei und dass ich mich freue, wenn wir uns dann erst eine Woche später wiedersehen.

Wenige Stunden später erhalte ich eine SMS meiner Freundin Regina. Sie zitiert die Zeilen aus einem Buch:

Lungenembolie:

Physische Bedeutung einer Lungenembolie

Eine Lungenembolie tritt meist infolge einer Venenentzündung auf. Sie entsteht durch eine spontane oder schleichende Verstopfung der Lungenarterie oder einer ihrer Verzweigungen. Dies kommt durch einen Fremdkörper zustande, häufig ein Blutgerinnsel.

Emotionale Bedeutung

Eine Lungenembolie tritt scheinbar aus dem Nichts auf. Dies geschieht auf so heftige Weise, dass die betroffene Person extreme Gefühlswandlungen erfährt. Sie empfindet diese wie Messerstiche. Die Person gibt sich aus irgendeinem Grund Schuld und will sich daran sterben lassen.

Mentale Bedeutung

Der Vorfall einer Embolie zeigt dir, dass es höchste Zeit ist, deine Schuldgedanken abzulegen. Du hast nach deinem besten Wissen und Gewissen Entscheidungen getroffen und verdienst diese Strafe nicht. Werde dir klar darüber.

 

Ich verspüre Widerstand gegen die Annahme, dass ich dies alles ausgelöst haben soll. Und doch ist da eine mir bisher unbekannte Berührtheit, der ich mich nicht entziehen kann.

Was genau war letzte Nacht los? Wieso der Satz heute Morgen: kein Kompromiss, hinter dem ich nicht stehe? Mein Leben war bisher sehr ereignisreich und bis vor zwei Jahren gradlinig.

In mir gab es bis dahin nie Zweifel, dass mein Leben glücklich und reich ist und nicht anders sein sollte. Unsere Rollen als Mann und Frau sind unausgesprochen klar definiert und wir sind ein beneidenswertes glückliches Paar und eine Vorzeigefamilie.

Natürlich gab und gibt es schwierige Zeiten, aber diese gestalten sich im Außen, niemals in unserem Fühlen zueinander – bis vor zwei Jahren. Bis dahin bezogen wir stets unsere Kraft durch den anderen, unterstützten uns uneingeschränkt. Wir stritten nie. Meinungsverschiedenheiten wichen der Harmonie, dessen Herstellen mir offenbar im Blut liegt. Bis dahin sah ich mich nie „funktionieren“, alles war für mich gut und richtig, so wie es war.

Antonia war elf Jahre alt, als sich in mir die Suche nach einer neuen Herausforderung bemerkbar machte. Ich suchte damals nach einer Aufgabe, die mich auch Geld verdienen lässt, damit ich mich bei der Familienversorgung auch aktiv finanziell einbringen kann. Zum einen, damit Andreas nicht jeden Abend bis zweiundzwanzig Uhr arbeitet, zum anderen aber auch, weil ich die Tatsache, kein Geld zu verdienen, zunehmend unerträglich finde. Für Andreas ist dies anders, wenngleich er sich einen Rollentausch sehr schwer vorstellen könnte.

Meine ehrenamtlichen Tätigkeiten in Schulen und dem Stadtelternrat gaben mir Einblick in die örtliche Politik. Die Einsicht in die Denkstrukturen und Umsetzungen von wichtigen Belangen forderte mich sehr heraus und ließ mich Paragrafen so lange studieren, bis ich deren praktische Umsetzung in letzter Konsequenz verstand und diese den Eltern vermitteln konnte. Ich kämpfte für die Kinder unserer Schule gegen private Interessen Einzelner. In diesem Zusammenhang entdeckte ich, dass mich meine Ziele und mein damit verbundener Einsatz Menschen mobilisieren und führen lassen. Ich verspürte Freude dabei, etwas Sinnvolles im Außen zu tun.

Meine Ausbildung zur Krankenschwester liegt weit zurück und ist keine Alternative, die ich in Betracht ziehe, mich in diesem Bereich wieder einzubringen. Mein Wunsch und Bestreben ist etwas ganz Eigenes.

Ich unterstütze in all den Jahren meinen Mann in seiner Praxis als Aushilfskraft, aber es ist keine Tätigkeit, die mich inspiriert, mir Freude macht, geschweige denn eine Perspektive für mich bedeutet, wenngleich es wirtschaftlich für uns eine ideale Alternative darstellt.

Das Geschenk vor gut zwei Jahren zu meinem sechsundvierzigsten Geburtstag war richtungsweisend. Überhaupt sind alle Geschenke meines Mannes stets etwas ganz Besonderes. Er wusste zu dem Zeitpunkt besser als ich, dass ich ein Energiebündel bin, etwas Neues für mich finden muss, damit die Energie gebündelt bleibt.

Ich hatte nach über zwanzig Jahren Hausfrauentätigkeit kein Gefühl für meine beruflichen Möglichkeiten und Chancen – ich wusste nicht einmal, was ich kann und vor allem möchte. Und … wie kann ich einen Beruf in all die Pflichten integrieren, die ich noch ein paar Jahre gerne erfülle?

Ein Workshop an einem Beratungsunternehmen zur Potenzialentwicklung war neben vier wunderbaren Tagen in Zürich das Geschenk, welches sich als Wendepunkt entwickelte.

Ich absolvierte daraufhin die Ausbildung zur Beziehungskonferenz nach Thomas Gordon, ein Kommunikationsmodell für persönliche Qualität und Effektivität in zwischenmenschlichen Beziehungen, beschäftigte mich mit Rhetorik und Körpersprache.

Es war, als hätte sich in mir ein Schalter umgelegt. Ich begann Bücher zu verschlingen und jedes Buch machte mich noch neugieriger. Mein Entschluss stand fest: Ich versuche mich als selbstständige Trainerin!

Mein erster Flyer sowie eine einfache Homepage waren schnell entwickelt und so startete ich nach noch nicht einmal einem Jahr nach „Zürich“ mein erstes Seminar als Kommunikationstrainerin in den Praxisräumen meines Mannes.

Vor genau drei Monaten habe ich mir in der Fußgängerzone unserer kleinen Stadt Räumlichkeiten angemietet. Damit ist meine Selbstständigkeit nun auch im Außen sichtbar verbunden mit der neuen Verantwortung, einen gewissen Umsatz zu erzielen.

Eine Freundin unterstützt mich stundenweise in Bürotätigkeiten und als Seminarbegleitung.

Ich muss Philine dringend anrufen!

Was kann ich ihr erzählen, wie sollen meine Seminare nächste Woche gehalten werden? Mir laufen Tränen über die Wangen, es kann doch alles nicht wahr sein.

Als Philine mich gleich am Morgen im Krankenhaus besucht, erzähle ich ihr im Vertrauen auch von dem Ereignis vergangener Nacht, als handele es sich um einen Bericht, der einfach so stattgefunden hatte. Sie nimmt es bestürzt, irritiert und gleichzeitig mitfühlend auf.

Ich bitte sie, emotional beinahe unbeteiligt, alle Termine der kommenden Woche abzusagen und kann froh sein, dass meine laufenden Kosten durch Andreas aufgefangen werden.

Und genau das ist es doch, was ich auf keinen Fall möchte – ihm auf der Tasche liegen.

So sehr diese Tatsache an mir nagt, so tritt dies alles sogleich wieder in den Hintergrund.

Da ist etwas geschehen, mir geschehen, mit dem ich nicht rechnete und mit dem ich nicht umzugehen weiß. Ich, die ich so belastbar bin, weiß genau, dass gerade seelische Belastungen nicht meine Stärke sind.

Also belasse ich meine nächtliche Erfahrung in meinem Herzen und bemühe mich diese augenblickliche Situation als Tatsache zu begreifen und mich irgendwie zunächst damit abzufinden.

Lukas besucht mich im Krankenhaus und ich sehe sein um mich besorgtes Gesicht. Wir reden nicht darüber, erst am folgenden Tag, als sich die Anspannung bei allen löst, denn ich bin nun über den Berg.

Es ist Dienstag, mein vierter Tag. Endlich darf ich das Bett verlassen – das Krankenhaus erst in ein paar Tagen, wenn die medikamentöse Einstellung erfolgt ist und mein Zustand weiterhin stabil bleibt.

Ich beschließe, Andreas beim abendlichen Besuch zu berichten, dass ich in der ersten Nacht aus meinem Körper stieg, wissend, dass ich sterbe.

Er hörte mir ohne Unterbrechung zu, fragte nicht einmal nach und so belasse ich es bei einem fast emotionslosen Bericht. Es war ein sehr schweigsamer Krankenbesuch und ich ermutige ihn, zu den Kindern zu gehen – mir ginge es jetzt schließlich gut, alles sei überstanden.

Er verabschiedet sich mit den Worten: „Eigentlich kann das alles gar nicht sein. Es passt nicht typisch zu einer Embolie.“ Seine Stimme wird noch sanfter und zärtlich küsst er mich. Ich höre wie von einem anderen Stern seine Bitte: „Gabi, bitte geh noch nicht!“ Dieser Satz trifft mich wie eine Pfeilspitze – nein, ich will da nichts fühlen.

Kurz nach diesem Abschied ruft Lena, die drittälteste unserer Kinder, aus Leipzig an. Ich weiß von ihrem Interesse an spirituellen Dingen und kann nun nicht mehr zurückhalten, was sich in mir den Weg vom Kopf zum Herzen bahnt.

Auf ihr Fragen hin berichte ich vorsichtig und so sachlich wie möglich von meiner Nahtoderfahrung. Spontan antwortet sie: „Mensch Mama, wenn du schon einmal halb da oben warst, warum hast du nicht in unsere Lebensbücher geschaut? Ich habe mal gelesen, dass das geht – dann hätten wir doch schon mal gewusst, was kommt.“ Es folgt Stille, in der ich nach einer Antwort darauf suche, da ergänzt sie nun mit gedämpfter Stimme: „Vielleicht gut so, wer weiß, ob es dann noch ein Zurück für dich gegeben hätte; ist besser so.“

Es tut mir gut, mich ihr mitgeteilt zu haben, auch wenn mich ein wenig Unsicherheit beschleicht, ob ich sie damit nicht überfordere, ob es richtig ist, die Kinder in meine innere aufgewühlte Welt einzubeziehen.

Ich habe kein Gefühl für richtig oder falsch – ich weiß im Grunde gar nicht, was ich fühle, da ist nichts mehr, wie es war.

Hier im Krankenhaus ist niemand, dem ich mich anvertrauen möchte. Vertrauen steht hier nicht im Vordergrund, dafür ist weder Raum noch Zeit. Hier wird behandelt, nicht geheilt. Wer weiß, welche neurologischen Untersuchungen sie zwecks Abklärung dann anordnen – nein, das regele ich ganz für mich alleine.

Obwohl sich Andreas und alle Kinder rührend um mich kümmern, meine Freundinnen auf ihre Weise Anteil an meiner Situation nehmen, fühle ich mich eingeschlossen in meinem Erlebten.

Am Samstag steht meine Entlassung in Aussicht – ich habe ein Ziel und einiges nachzuholen. In zehn Tagen habe ich auswärts ein Seminar zu geben, was ich nicht absage.

Donnerstag schließt man mich zur vollständigen Abklärung sicherheitshalber an ein Langzeit-EKG an.

Es wird ein besonderer Tag, nur weiß ich dies noch nicht.

Meine Bettnachbarin wird überraschend verlegt und ich genieße es, mit mir alleine zu sein – endlich!

Ich erhalte Post – einen größeren Umschlag von Lena. Darin befindet sich ein aktuelles Passbild von ihr, was ich auf meinen Nachttisch stelle und eine CD mit ihrer handschriftlichen Aufschrift: „Für Mama – Musik für die Seele“.

Nachdem die Nachtschwester sich ein Bild von meinem Wohlbefinden gemacht hat, bin ich allein und weiß mich für die nächsten Stunden ungestört. Ich lege die CD in meinen Discman und erhoffe mir endlich tiefe innere Entspannung, die mir seit meiner Ankunft nach der langen Reise fehlt. Diese Nacht möchte ich mich erholen, Revue passieren lassen, was mir zugestoßen ist und die Stille genießen, innerlich zur Ruhe kommen, ohne mich beobachtet oder überwacht zu wissen.

Bei den ersten Klängen dieser berührenden Musik falle ich unkontrolliert in ein tiefes Meer von Tränen, die offenbar nur darauf warteten, strömen zu dürfen.

Jetzt gelingt es mir nicht mehr, das Ereignis der ersten Nacht hier im Krankenhaus neben mir zu platzieren. Es ist in mir, mit mir geschehen, ein Teil von mir – ich weiß diese Realität einfach nicht zu beschreiben.

Ich durchlebe nun noch einmal jede einzelne Sequenz der Nahtoderfahrung und lasse mithilfe der sanften Töne der Musik diese tiefe emotionale Berührung in mein Alltagsbewusstsein aufsteigen.

Ich schwebe langsam aus meinem Körper und weiß augenblicklich: Ich sterbe! – dabei sollte ich doch klingeln. Wie leicht ich bin und wie still es ist. Ich sehe mich unten im Bett liegen, ganz langsam und behutsam gleite ich durch die Decke nach oben und erlebe mich in einem dunklen Raum, der nicht wirklich dunkel ist. Schön ist es hier. Es gibt keine Worte, die dieses hier annähernd nachvollziehbar wiedergäben.

Noch nie bin ich von solch einer Liebe umgeben, ja, durchflutet gewesen, es ist hier so friedvoll und still, so erholsam ruhig. Ich fühle mich geborgen und angekommen. Es ist, als stehe die Zeit still. Es ist so wunderbar an diesem Ort, hier möchte ich ausruhen – bleiben.

Dieser Raum gleicht meiner Vorstellung vom Universum – unendliche Weite und doch fühlt es sich begrenzt an.

Ich weiß meinen verstorbenen Bruder Daniel in der Nähe, gleich kann ich ihn vielleicht sehen. Nein, es ist nicht das Sehen, was ich kenne und doch kann ich sehen oder doch wahrnehmen, nein, sehen! Meine Schwiegermutter ist noch dichter bei mir und mich erfüllt große Freude und Dankbarkeit, sie gleich zu treffen.

Da ist Musik, so wunderbar rein sind diese Töne, Gesang. Und da ist „oben“ ein sehr helles Licht – wie ein Punkt. Ich will bleiben, sehe einen Teil meiner Familie an meiner rechten Seite. Es ist alles gut so. Ich spüre ihre Trauer und weiß sie bei Andreas in guter Obhut. Antonia ist noch so jung – auf der einen Seite. Ich kann hier ihre innere Reife erkennen, sie erscheint mir größer, als ich sie bisher wahrnahm. Nichts ängstigt mich hier, es ist „wunder-schön“.

Raum und Zeit gibt es nicht. Hier tauchen Menschen auf, die mir bekannt sind, nur erkenne ich sie hier in parallelen Ereignissen oder Leben an meiner Seite. Alles erscheint gleichzeitig – was war, was ist und was sein wird.

Ich nehme eine mir unbekannte Wohnung wahr, sehe genau, wer sich zurzeit dort wie bewegt und sehe mich gleichzeitig in naher Zukunft in dieser Wohnung. Mein Körper in diesem Krankenbett kann diese Wohnung sehen.

Mein Leben spult sich rückwärts ab. Ich kann dies nicht nur sehen, sondern auch spüren, was ich damals fühlte. Sogar noch mehr: Hier fühle ich auch, was ich mir damals nicht zu fühlen erlaubte und gleichzeitig auch, was alle Beteiligten wie berührte. Es ist nicht beängstigend, eher wie eine liebevolle Betrachtung, was ich tat – und wie sich alles ganzheitlich darstellt. Hier gibt es keine Begrenzung, kein Urteilen, nur Klarheit, Reinheit, Liebe – unendliche Liebe, in der ich so wohltuend ruhe. Wie wunderbar still es hier ist, friedvoll – einfach nur sein.

Nichts stelle ich hier infrage, es ist einfach, wie es ist – gut.

Ein hell leuchtendes Lichtwesen erscheint – ich spüre enge liebevolle Verbundenheit und große Freude, einander so erfahrbar nahe zu sein. Doch gleichzeitig nehme ich Ernsthaftigkeit wahr – Wissensaustausch, eine Art Kommunikation. Noch nie erfuhr ich so liebevolle Autorität und befinde mich plötzlich wenige Zentimeter über meinem im Krankenhausbett liegenden Körper.

In dem Augenblick, in dem ich in meinen Körper eintrete, ist diese Erfahrungswelt wieder hinter einem Schleier verschwunden. Ich schlafe weiter.

Und dann erhebt sich mein Körper erneut. Dieses Mal viel schneller und mich erfüllt eine große Freude. Mach die Augen doch mal auf, denkt es in mir, doch dies funktioniert nicht – das Sehen verläuft hier anders.

Blitzschnell zieht es mich nach oben in den mir bekannten Raum. Doch dieses Mal erwartet mich eine unsichtbare Schranke, einer Wand gleichend – es geht nicht weiter. Es ist, als wenn diese Wand mich liebevoll diskussionslos mit gewaltiger Kraft zurückdrückt. Ich spüre Enttäuschung, weiß aber, dass dies genau so sein darf und lande mich klein fühlend wieder in meinem Körper.

 

Als ich an diesem Morgen auf die Uhr schaue, ist es halb fünf und noch dunkel draußen.

Eine sehr kurze Nacht, denn um halb drei nahm ich die mir empfohlene Schlaftablette, mein innerer Rhythmus befand sich noch am anderen Ende der Welt.

Plötzlich holt mich das Klingeln des Telefons aus meiner gedanklichen Rückschau. Es ist Angela, die mich seit ich hier eingewiesen liege, zu meinem Erstaunen jeden Abend anruft. Das verstehe ich nicht, denn unser Kontakt ist sehr flüchtig, er besteht nur aus einer Begegnung bei einem Heilpraktiker, bei dem sie aus der geistigen Welt empfangene Botschaften weitergibt.

Wie jeden Abend fragt sie mich: „Gabi, wie geht es dir?“

Dieses Mal verliere ich die Beherrschung und schluchze unkontrolliert los und berichte ihr unzensiert, was geschehen war.

„Weißt du, Gabi, jetzt ist mir klar, warum ich dich täglich anrufen musste. Ich erwachte in jener Nacht gegen halb fünf und wusste: Gabis Seele will gehen. Und ich kenne keine andere Gabriele, außer dir. Deshalb rief ich deinen Mann an und erbat deine Nummer.“

Ich wehre mich gewaltig gegen die Annahme, dass ich gehen wollte. Unmöglich. Wieso denn? Es gibt doch keinen Grund. Ich habe schließlich gerade Räume angemietet, begonnen mir etwas aufzubauen, in wenigen Wochen erwartet Julia, unsere älteste Tochter, ihr erstes Baby. Nein, das ist unwahr.

Angela bleibt ganz ruhig und bei ihrer Aussage. „Du wolltest gehen – nicht bewusst, aber deine Seele. Der Druck auf dir ist so groß, scheinbar wusstest du keinen anderen Ausweg. Aber schön, dass du wieder unter uns bist, du hast noch viel zu tun und viel zu geben.“

Das war unser letztes Gespräch im Krankenhaus.

Ich finde dies völlig absurd, gebe mich wieder der Musik hin, es tut gut, einfach nur zu sein, nicht mehr nachzudenken. Denn so viel verstehe ich: Mit meinem „Denker“ komme ich hier nicht weiter.

Lenas CD ist in der Tat Musik für meine Seele und schafft an diesem Donnerstagabend eine Brücke in mir zwischen zwei Welten. Diese nächtliche Erfahrung existiert und bedeutet für mich nun keine Theorie, stammt aus keinem Lehrbuch, es ist so klar, wie ich noch nie über irgendetwas Klarheit besaß – es ist Gewissheit: Das Leben ist wichtig, ich bin wichtig und alles ist viel umfassender zu betrachten. Kein Mensch ist klein und unvollkommen … Aber wie passen diese neuen Erkenntnisse in meinen Alltag, wo doch alle so anders denken und das Dasein verstehen? Was soll ich mit dieser Erkenntnis? – sie verwirrt doch nur.

Und da ist sie wieder, diese Schwere, die Last, die wohl zu dieser Erde gehört. Sogleich verspüre ich ehrlich gemeinte, ja sogar natürliche Sehnsucht nach dem Ort, an dem ich war – nach dem Tod, der wohl nicht das Ende bedeutet.

Und da merke ich, ich habe keine Angst vor dem Sterben – im Gegenteil, da ist wirklich Todessehnsucht.

Ich werde planmäßig entlassen und freue mich, endlich etwas tun zu können, was mich ablenkt. Bestimmt ist dies hier alles bald vergessen und mein Leben regelt sich wieder.

Mit Philine verabrede ich mich in meinem Büro. Wir nehmen uns in die Arme und Tränen laufen über mein Gesicht – wie empfindlich ich auf einmal bin.

„Schön, dass du diese Räume betreten kannst, nicht wahr – das war knapp, Gabi. So, nun komm, es gibt einiges zu besprechen, damit du nächste Woche loslegen kannst. Ich komme mit. Meinst du, du schaffst das schon?“

„Bestimmt, ich muss! Das Geld muss rein, ich muss den Januar aufholen.“ Und während ich mich dreimal „muss“ sagen höre, spüre ich eine mir so fremde Sensibilität oder Sentimentalität oder Berührtheit. Ich bin mir so fremd.

Die beginnende Woche starte ich mit Elan – endlich ist wieder alles beim Alten. Meine Eltern kommen und wir gestalten den Großeinkauf gemeinsam. Plötzlich spüre ich im Auto einen sehr unangenehmen Druck auf meiner Halsschlagader und bitte meinen Vater um eine schnelle Rückfahrt nach Hause. Schon draußen höre ich das nicht aufhören wollende Klingeln des Telefons.

Ich nehme ab und vernehme die sorgen- und vorwurfsvolle Stimme der Sekretärin des Chefarztes aus dem Krankenhaus: „Wo sind Sie denn bloß, Frau Gärtner? Der Chefarzt möchte Sie dringend sprechen, ich verbinde“, macht sie sich Luft und ohne eine Chance, darauf antworten zu können, vernehme ich die Worte des Arztes.

„Geht es Ihnen gut? Was machen Sie? … Einkaufen, um Himmelswillen! Frau Gärtner, Ihr EKG ist nicht in Ordnung …“

Ich höre ihm nur halb zu. Es reicht mir jetzt. Trotzdem bleibe ich höflich und erkläre ihm, dass ich hier nach nunmehr fünf Wochen Abwesenheit einiges aufzuholen habe und es mir gut ginge.

Da antwortet er mit betonter Strenge: „Bei allem Respekt vor Ihrer Lebenseinstellung, Frau Gärtner. Mit dem Befund können Sie ohne Betablocker nicht weiterleben. Sie können jeden Moment ein Kammerflimmern bekommen, das bedeutet Herzstillstand! Bitte lassen Sie sich einen Termin von meiner Sekretärin geben oder von Ihrem Internisten, um unter Beobachtung optimal medikamentös eingestellt zu werden.“

Ich höre mich erleichtert zustimmen.

Mein Herz war also vermutlich ins Flimmern geraten und hatte einen Herzstillstand ausgelöst, was die Nahtoderfahrung erklärt. Ich bin also nicht verrückt, jetzt weiß ich, was mir im Krankenhaus passiert war, und ein Schmunzeln geht mir über die Lippen.

 

Zur wieder aufgenommenen Routine gehört auch der nunmehr dringend notwendige Friseurtermin. Meine Friseurin erkundigt sich nach meinem Befinden, warum ich den Termin denn so plötzlich absagte, ob sich unsere Rückreise verzögert habe.

Während sie mir den Umhang umlegt, erzähle ich ihr, den Blickkontakt zu ihr im Spiegel haltend, dass mich eine Lungenembolie erwischt hatte. Entsetzt schaut sie mich an und meint: „Mensch, da sind Sie aber knapp von der Schippe gesprungen.“ Ich schaue ihr ganz ruhig im Spiegel in die Augen und höre mich zu ihr sagen: „Sie hatten doch auch eine Nahtoderfahrung, oder? Wie war das? Sie haben doch Vorsprung.“

Wie zwei Außerirdische, die sich erkennen, nehmen wir uns in ihrem Friseursalon weinend in die Arme. Wir erkennen uns auf einer anderen Ebene.

Das Frisieren ist nun völlige Nebensache, ich will jetzt wissen: „Was hat sich nach Ihrer Nahtoderfahrung während des Komas durch die Gehirnblutung vor drei Jahren verändert?“

„Na ja“, sagt sie, „ich habe noch mit niemandem darüber gesprochen. Meinem Mann habe ich versucht etwas zu erzählen, ihm macht das Angst. Den Ärzten sage ich nichts. Wissen Sie, ich muss vorsichtig sein, sonst wird mir noch Sauerstoffmangel im Gehirn angehängt und meinen Job will ich nicht riskieren.“ Nun sind wir beide ganz aufgeregt und alle anderen Kunden völlig ignorierend erzählen wir uns unsere Erlebnisse. Ich frage weiter nach: „Und jetzt, wie nehmen Sie die Welt jetzt wahr?“ Vorsichtig erklärt sie mir, dass sie die Vogelstimmen beim Spaziergang viel deutlicher und differenzierter wahrnimmt, obwohl sie sich vorher nie besonders dafür interessiert habe.

Ich spüre die Vorsicht, mit der wir einander begegnen – wie offen können wir sein? Auf ihre Frage, ob ich auch Veränderungen wahrnehme, teile ich ihr mit, dass unter anderem die Farben eine andere Intensität und Leuchtkraft haben und dass ich es gerade zu begreifen versuche, wie ich wissen konnte, dass sie eine Nahtoderfahrung hatte.

Wir entscheiden uns für das Du und vereinbaren ein Treffen, bei dem wir uns ganz ungestört austauschen können. Die Verabschiedung gleicht der von zwei Verschworenen, annehmend, dass uns keiner versteht. Zu zweit zu sein verringert die Angst, unnormal zu sein.

 

Mein erstes Seminar „danach“ verläuft beinahe normal. Philine fragt mich bloß im Anschluss: „Woher hast du gewusst, dass die Teilnehmerin eigentlich etwas ganz anderes wissen wollte, als sie fragte?“ Das verstehe ich nicht, denn ich antwortete aus meiner Sicht genau auf das, was die Teilnehmerin fragte.

Und so schwant mir, dass meine Wahrnehmung nun eine andere ist.

Vielleicht ist es das, was meine Freundin Birgit gemeint hat, als sie mir umarmend sagte: „Ich habe mal gelesen, dass Nahtoderfahrungen als Geschenk erfahren werden, auch wenn du das jetzt sicherlich so gar nicht hören kannst und willst.“

 

Mein Alltag hat mich wieder. Das Einzige, was mich mein altes Leben nicht leben lässt, ist die Schwere in mir und die lästigen gesundheitlichen Checks, damit die Blutverdünnung unter Kontrolle bleibt. Dabei bin ich privilegiert, denn die beinah tägliche Blutentnahme nimmt Andreas bei mir morgens zu Hause vor.

Der Internist äußert nach einiger Zeit jedoch den Wunsch, mich einmal persönlich zu sehen und seine Beratung nicht ausschließlich aufgrund von Labordaten zu geben. Da mir der Praxisalltag geläufig ist, gehöre ich zu den Patienten, die nichts haben, konkret antworten und möglichst keine Zeit in Anspruch nehmen.

Ich beantworte ihm seine Fragen also zügig, für mich ist alles im grünen Bereich. Er lässt nicht locker und erläutert mir anhand meiner Krankenakte aus dem Krankenhaus, welche Krankheitsbilder ich aufweise. Besonders viel Zeit nimmt er sich, um mir meine Herzrhythmusstörung zu erläutern. Er fragt, ob ich genau wisse, was das bedeute.

Ich muss leider zugeben, dass ich es nicht genau weiß und wundere mich über mich selbst, dass ich Andreas bisher nicht danach gefragt habe.

Der Arzt veranschaulicht mir sehr verständlich, was bei einem Kammerflimmern passiert: Der Patient erleidet circa sieben Sekunden nach einem beginnenden Kammerflimmern einen Herzstillstand und muss reanimiert werden.

Ich lausche seinen Worten sehr aufmerksam und erhebe mich anschließend leicht, um meine Absicht, gehen zu wollen, anzudeuten.

Er schaut mich direkt an und fragt: „Sagen Sie mal, Frau Gärtner, wissen Sie eigentlich, wovon ich hier gerade spreche?“

Ich fühle mich ertappt und antworte leise mit gesenktem Blick: „Ich glaube ja.“

Er klappt meine Krankenakte zu, lehnt sich in seinem Sessel entspannt nach hinten, als habe er alle Zeit der Welt und weist mich mit einer Handbewegung an, mich wieder zu setzen: „Jetzt, Frau Gärtner, erzählen Sie mir doch bitte einmal: Was war im Krankenhaus wirklich los?“

Zum Glück ist es mir möglich, ihm alles zu berichten, ohne mich vollkommen in Emotionen zu verlieren. Ich sehe nun eine einmalige Chance für mich – nämlich zu erfahren, ob ich noch ganz bei Sinnen bin.

Der Internist hört mir interessiert und aufmerksam zu, fragt hier und da genauer nach und empfindet meinen Bericht als unspektakulär passend, wenngleich nichts davon in meinen Akten steht. Er macht keine Anzeichen, mein Krankenblatt mit weiteren Notizen zu vervollständigen. Stattdessen bemerkt er nebenbei, dass er davon ausgehe, dass ich mich niemandem mitgeteilt habe. Dann erzählt er mir von seinen Erfahrungen auf der Intensivstation und den Berichten der dort reanimierten Patienten. Mein Bericht decke sich in allem und so ist es eine Tatsache, dass ich in dieser Zeitspanne zwei Nahtoderfahrungen hatte. Was ungeklärt ist und bleibt sei die Tatsache, dass ich ohne Reanimation wieder den Herzschlag aufnahm.

Stimmt! Darauf bin ich noch gar nicht gekommen. Er lacht und sagt: „Anscheinend haben Sie hier noch einiges zu tun, die wollen Sie da oben noch nicht.“

Jetzt traue ich mich ihn bezüglich meiner veränderten Wahrnehmung zu fragen. Er rät mir, mich im Internet zu informieren, da gäbe es Foren und auch viele Buchtipps. Fakt sei in jedem Fall, dass diese Erfahrungen lebensverändernd sind.

Obwohl ich ihm so dankbar bin, gibt es keinen weiteren Austausch dieser Art, alles läuft medizinisch korrekt ab.

 

Nach einem halben Jahr bin ich für gesund befunden. Meine Werte sind gut, nichts weist mehr darauf hin, dass dieses Jahr mit einem einschneidenden Ereignis begann. Die Stützstrumpfhosen stopfe ich triumphierend in die unterste Schublade und entgegen dem Rat der Ärzte beschließe ich, die Betablocker nicht prophylaktisch weiter einzunehmen. Ich bin gesund!

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